Quiet Hiring: Interne Talente entdecken
Stellen Sie sich folgendes vor: In Ihrer Marketingabteilung wird dringend jemand mit
Datenanalyse-Kenntnissen gesucht. Die Stelle wird ausgeschrieben, der Prozess dauert
Monate. Und das alles, während im Controlling ein Mitarbeiter sitzt, der genau das kann und
sich schon längere Zeit eine neue Herausforderung wünscht. Beide wissen nichts
voneinander. Das kennen sicher viele.
Genau hier setzt Quiet Hiring an: die Idee, Kompetenzluecken zuerst im eigenen
Unternehmen zu schließen, bevor man extern sucht.
Was ist Quiet Hiring ?
Quiet Hiring, auf Deutsch ungefähr ’stille Rekrutierung‘, beschreibt eine Personalstrategie
bei der Unternehmen bestehende Mitarbeitende gezielt in neue Rollen bringen oder ihre
Aufgabenbereiche erweitern, anstatt externe Kandidaten einzustellen. Die Idee ist nicht neu,
aber sie gewinnt gerade stark an Bedeutung.
Angesichts eines schwierigen Stellenmarkts und steigender Recruitingkosten setzen immer
mehr Unternehmen auf interne Mobilität. Laut dem IHK-Fachkräftereport 2025/26 haben 36% der deutschen Unternehmen Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Gleichzeitig
verharren die Einstellungszahlen auf einem 15-Jahres-Tief. Irgendwie muss die Arbeit ja
trotzdem gemacht werden.
Zum Selbst-Testen:
Wissen Sie, welche Fähigkeiten Ihre Mitarbeitenden ausserhalb ihrer aktuellen Rolle haben?
Wann haben Sie zuletzt intern ausgeschrieben, bevor Sie eine externe Stelle eröffnet
haben?
Chance oder nur mehr Arbeit?
Quiet Hiring klingt erstmal gut für alle Beteiligten. Unternehmen sparen Recruitingkosten und
Zeit, Mitarbeitende bekommen Entwicklungsmöglichkeiten und mehr Verantwortung. Soweit
die Theorie.
In der Praxis sieht es manchmal anders aus. Eine Umfrage von Monster zeigt, dass 80 %
der Befragten bereits Erfahrungen mit Quiet Hiring gemacht haben. Die Hälfte davon sagt,
die neuen Aufgaben hätten nicht zu ihren Fähigkeiten angepasst. Das Problem: Wenn Quiet
Hiring als ‚einfach mehr Arbeit fuer dasselbe Gehalt‘ wahrgenommen wird, schlägt
Motivation schnell in Frustration um. Dann ist es kein Quiet Hiring mehr, sondern eher Quiet
Quitting in die andere Richtung.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Umsetzung. Gutes Quiet Hiring passiert
transparent, mit klaren Karriereperspektiven und fairer Kompensation. Schlechtes Quiet
Hiring passiert einfach still.
Was man konkret tun kann
- Interne Aussschreibung vor externer: Offene Stellen zuerst intern kommunizieren,
bevor man sie öffentlich ausschreibt. - Skill-Gespräche führen: Regelmäßig fragen, was Mitarbeitende entwickeln möchten,
auch außerhalb ihrer aktuellen Rolle. - Klare Gegenleistung bieten: Neue Aufgaben sollten mit Entwicklungsperspektive
oder Gehaltsanpassung verbunden sein, nicht einfach obendrauf kommen.
Was Sie diese Woche tun können
Führen Sie ein kurzes Gespräch mit Ihrem Team: Was können Ihre Mitarbeitenden, was Sie
noch nicht kennen?
Prüfen Sie, ob es eine offene Stelle gibt, die Sie vor der externen Ausschreibung intern
kommunizieren können.
Quiet Hiring ist eigentlich eine der naheliegendsten Personalstrategien: Man schaut zuerst
dort, wo man schon weiss, was man hat. Unternehmen, die das konsequent umsetzen,
bauen nicht nur Kosten ab, sondern auch eine Belegschaft, die sich gesehen fühlen. Und
das ist in Zeiten von Fachkräftemangel und Mitarbeiterbindung vielleicht der größere
Gewinn.
Quellen
- DIHK-Fachkraeftereport 2025/26 (via workwise.io) — https://hire.workwise.io/blog/recruiting-trends
- Monster-Umfrage zu Quiet Hiring (via Business Insider DE) — https://www.businessinsider.de/karriere/quiet-hiring-wie-dieser-trend-dafuer-sorgen-kann-dass-ihr-schneller-befoerdert-werdet-a/
- ad-hoc-news.de (2025): Quiet Hiring wird 2026 zur Ueberlebensstrategie fuer deutscheFirmen — https://www.ad-hoc-news.de/boerse/news/ueberblick/quiet-hiring-wird-2026-zur-ueberlebensstrategie-fuer-deutsche-firmen/68434009
- wirtschaft-magazin.de (2026): Quiet Hiring und Fachkraeftemangel — https://wirtschaft-magazin.de/quiet-hiring/
- Stepstone Recruiting Trends 2026 — https://www.stepstone.de/e-recruiting/hr-wissen/arbeitsmarkt/recruiting-trends


