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Der Aktienmarkt in Krisenzeiten: Super-GAU oder Chance?

Wer die Entwicklung des Deutschen Aktien Indexes seit Beginn des Jahres verfolgt hat, dem ist die verheerende Bedeutung der Pandemie für den Aktienmarkt durchaus bewusst. Viele unterschiedliche Faktoren nehmen Einfluss darauf, sodass einige Parteien starke Verluste hinnehmen müssen, während andere Akteure von der Krise sogar profitieren können.

Ein massiver Einflussfaktor, der den DAX am 20. April 2020 vier Prozentpunkte kostete, war der historische Einbruch des Ölpreises, der sich an diesem Tag auf insgesamt minus 37,63 Dollar belief.

Am darauffolgenden Tag sollte sofort Entwarnung gelten: Das lag daran, dass der WTI-Future, wie der zukünftige Ölpreis im Fachjargon bezeichnet wird, „gerollt“ wurde. Das bedeutet, dass der günstige Preis sich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr auf den Mai-, sondern auf den Juni-Kontrakt beziehen sollte. Dort belief sich der Preis für ein 159-Liter Fass, das im Englischen auch als Barrel bezeichnet wird, auf 14 US-Dollar.

Das führte dies daraufhin wieder zu einer allgemeinen Beruhigung und Experten gaben Entwarnung. Jedoch zeigt dies, laut Victor Shum vom britischen Marktforschungsinstitut IHS Markit, welch verheerende Kräfte derzeit auf den Markt einwirken.

Generell kann dieser Einbruch des Ölpreises als ein Indikator gesehen werden, wie schlecht es derzeit um die Weltwirtschaft steht. Da die Tourismuswirtschaft aktuell stillsteht, Privatpersonen nicht mehr reisen und Fluglinien kaum in Betrieb sind ickelt sich der Luft-, See- und Straßenverkehr seit Beginn der Krise rückläufig und dies hat starke Auswirkungen auf den Ölpreis. Durch den extremen Rückgang des Rohölpreises ist der Index MSCI AC World Energy zeitweise über 50% gefallen. Das nimmt starken Einfluss auf viele Rohstofffonds, da Rohöl viele dieser Fonds dominiert, ohne dass deren Produktnamen einen Hinweis darauf geben.

Allgemein gilt hier als Empfehlung, dass Anleger keine größeren Teile ihres Vermögens in solche Fonds investieren sollten. Handelt es sich um eine Depotbeimischung, hält sich der Schaden in Grenzen.

Trotz der massiven Verluste, die sich im DAX, aber auch auf weiteren europäischen Märkten widerspiegeln, ist es nicht von der Hand zu weisen, dass Gewinner aus der Krise hervorgehen. Durch den Lockdown geltende Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren wird die Frage aufgeworfen, wie sich Privatpersonen innerhalb ihres Zuhauses die Zeit vertreiben können. Hierbei kommen Unternehmen der sogenannten „Stay at home“-Aktien ins Spiel. Aktien wie Netflix, Amazon, SONY und Nintendo verzeichneten in den letzten Wochen stetes Wachstum. Aufgrund der vermehrten Arbeit im Home-Office gewannen „Work from home“-Aktien ebenfalls stark an Zuwachs. Dazu zählen Zoom Video Communications, Microsoft und TeamViewer.

Auch digitales Bezahlen wurde in Zeiten der Pandemie zunehmend wichtiger, da die Weitergabe von Bargeld das Infektionsrisiko erhöht und daher kontaktlose Bezahlung zu bevorzugen ist. Aktien aus dem Sektor „Digitales Bezahlen“ wie PayPal, Visa und Mastercard profitierten daher ebenfalls stark von der Coronakrise. Und obwohl der DAX den radikalsten Kurssturz seiner 32-jährigen Geschichte erlebt hat, scheinen sich die Kurse auch allgemein langsam wieder zu erholen. Dabei stellt sich zudem heraus, dass die Strategie, global und möglichst breit zu investieren, eine der sinnvollsten zu sein scheint. Bei Betrachtung des weltweiten Index MSCI World, der insgesamt 1600 Unternehmen einschließt, lässt sich erkennen, dass dieser nur etwa halb so stark gefallen ist wie europäische Indices. Doch wie sieht die Zukunft nun aus? Wann erholt sich der Markt wieder vollständig und wird er wieder zu dem Zustand vor der Krise zurückfinden können? Da die Gewinne der Unternehmen derzeit aufgrund der Pandemie stark fallen, führen schon stagnierende Bewertungen zu deutlich höheren Bewertungen: Der Preis der Aktien steigt. Doch bleibt das so? „Diesmal ist alles anders“, wenn man Experten glauben möchte. Sicher ist, dass dieser Zustand in der Vergangenheit nicht auf eine stabile Marktsituation hinwies. Daher ist auf dem Aktienmarkt erst einmal Vorsicht geboten.

Quellen: Buhrs, H. (15. Mai 2020). Aktien, Gold, Coronavirus: Was der Ausbruch für Ihre Finanzen bedeutet. Abgerufen am 26. Mai 2020: https://www.finanztip.de/coronavirus/finanzen/
Buschmann, G. (13. Mai 2020). Ist diesmal an der Börse wirklich alles anders? Abgerufen am 27. Mai 2020: https://www.wiwo.de/finanzen/boerse/das-krisenfeste-depot-ist-diesmal-an-der-boerse-wirklich-alles-anders/25827604.html
Castner, J. (23. Mai 2020). Corona Krise: Der Super-GAU ist da. Diese Aktien lohnen sich trotzdem. Abgerufen am 24. Mai 2020 https://www.boerse-online.de/nachrichten/aktien/corona-krise-der-super-gau-ist-da-diese-aktien-lohnen-sich-trotzdem-1029143953
Stiftung Warentest (22. Mai 2020). Coronakrise und die Aktienmärkte. So entwickeln sich die Märkte – was jetzt zu tun ist. Abgerufen am 24. Mai 2020 https://www.test.de/Boersenturbulenz-Aktienmaerkte-sacken-ab-was-jetzt-zu-tun-ist-5585045-0/